Ostern in der Ro70 – Lichter und Musik trotzen Corona

Die Nacht zum Ostersonntag ist traditionell die Nacht, in der das Licht die Dunkelheit vertreibt, in der die Hoffnung siegt. In den vergangenen Jahren haben wir das mit unserem traditionellen Osterfeuer gefeiert. Dieses Jahr jedoch herrscht Kontaktsperre, geistert Corona durch die Köpfe, macht die Sorge um den Nächsten Begegnungen zur Rarität. Gerade jetzt, an Ostern, wiegt die Sehnsucht nach den anderen, nach Familienbesuchen, Berührung und gemeinsamem Lachen schwer. Deshalb waren Ideen gesucht, wie wir in Corona-Zeiten trotzdem Ostern feiern und unsere Gemeinschaft leben können. Und sie wurden gefunden!

Es war ein wunderschönes Symbol unserer Gemeinschaft, als in der Nacht zum Ostersonntag auf unserem Sitzplatz im Innenpark ein Kreis aus Lichtern wuchs. Jede Familie brachte nacheinander ein Osterlicht hinaus und stellte es zu den anderen. Nach und nach schloss sich der Kreis. Die einen gingen, die anderen kamen, manche stimmten ein leises „Dona nobis pacem“ an, Lächeln wurden getauscht zwischen den Kommenden und Gehenden, die Stille der Nacht und die Bedächtigkeit und besondere Aufmerksamkeit dieser einfachen Handlung des Kerzenanzündens schufen eine ganz besondere Atmosphäre, in der das Wunder von Ostern spürbar wurde.

Lichter waren auch die Hauptakteure am Sonntag Abend, als wir uns verabredet hatten, zur gleichen Zeit alle Balkonlampen anzuschalten. Taschen- und Stirnlampen morsten ein „Hallo“ von Flügel zu Flügel. Wir sind hier und zusammen!

Die Freude über Ostern und über unser gemeinsames Hiersein stand dann am Ostersonntag im Mittelpunkt eines liebevoll vorbereiteten Balkonkonzerts. Kreative Ideen machten gemeinsames Musizieren möglich. Je zwei Blechbläser/innen standen auf zwei benachbarten Balkonen. „Freude schöner Götterfunden“, „Kein schöner Land“ und „Die Gedanken sind frei“ – die Musik schwebte über den Dächern. Eine Sängerin und ein Pianist steuerten moderne Jazzmusik bei. Dazwischen brandete immer wieder fröhlicher Beifall auf.

Überall auf den Balkonen und vereinzelt im Gelände hatten sich Familien versammelt, lauschten begeistert der schönen Musik, sangen und summten bekannte Lieder mit. Auch den „Sonnenblumen“ – sie wohnen in der Ro70 in einer Wohngruppe der Lebenshilfe – war die Freude deutlich anzusehen.

Schließlich gelang es sogar, gemeinsam einen Kanon zu singen. „Es tönen die Lieder“ schallte es vom Westflügel, aus dem Haupthaus und hinüber in den Ostflügel. Die ineinander verschlungenen Melodiezeilen des Kanons waren wie ein Synonym für unsere tätige, teilende, sich gegenseitig unterstützende, lebendige Nachbarschaft. So trotzen wir gemeinsam dem Virus und ziehen Kraft aus unserer Verbundenheit.

Frohe Ostern! Trotz allem!