Endlich: Das Haupthaus wird bezogen

An einem windigen Vormittag Ende Februar bewegt sich ein grünes Sofa quer über den Innenhof der Ro70. Zwei Möbelpacker bugsieren es von einer Wohnung im Ostflügel endlich ins Haupthaus: „Eine Nachbarin war so lieb, das Sofa aufzunehmen, das ich mir im vergangenen Sommer gekauft habe“, erzählt Besitzerin Gabi Bohne. „Eigentlich war nur geplant, es sechs bis acht Wochen zwischen zu lagern. Da sich der Einzug ins Haupthaus aber immer weiter verzögert hat, wurden einige Monate daraus.“

Dieses Sofa war bei Nachbarin Luise untergekommen

Nun ist es aber soweit: Die Möbelpacker platzieren das Sofa auf einem Umzugslift und fahren es, gemeinsam mit Gabis restlichem Hausstand, hoch in ihre Wohnung im Dachgeschoss. Für die pensionierte Lehrerin ein sehr besonderer Moment, denn sie ist Genossenschaftsmitglied Nr. 6, also schon fast von Beginn an Teil dieses Wohnprojekts. Als das grüne Sofa oben ankommt, und seinen Platz neben dem großen, bodentiefen Wohnzimmerfenster findet, heißt das: Dieser Traum vom gemeinsamen Wohnen wird endlich Wirklichkeit. Neben Gabi ziehen nun rund 50 weitere Menschen ins Haupthaus ein, darunter auch viele Kinder.

Gemeinsam statt einsam

Ein paar Tage später hat sich das große Umzugschaos in Gabis Wohnung schon weitgehend gelegt: Die Küche steht, Pflanzen recken sich an den Fenstern der Sonne entgegen, ein runder Esstisch lädt zum Zusammensetzen ein. „Das war ein ganz tolles Ankommen hier! Es hat sich sofort selbstverständlich angefühlt“, sagt Gabi. „So selbstverständlich wie alles eigentlich, was dieses Projekt angeht. Und das fühlt sich gut an.“

Möbelstück nach Möbelstück wird hereingetragen

Die pensionierte Lehrerin stieß 2014 zur Ro70, nachdem sie ihren Mann durch zwei Krebserkrankungen und auch beim Sterben begleitet hatte: „Ich sah dann, wie meine Schwiegermutter alleine in ihrer Wohnung alt wurde. Das wollte ich nicht, ich wollte nicht im Alter in die Einsamkeit abstürzen, nachdem ich mein ganzes Leben lang immer von vielen Menschen umgeben war.“ So traf sie Vorkehrungen, um gut alt zu werden, wie sie es selber beschreibt. Und wurde Mitglied der Ro70.

Die ersten Verzögerungen beim Bauprojekt nahm Bohne noch ganz gelassen hin, sie hatte nicht erwartet, dass alles reibungslos laufen würde. Erst im vergangenen Sommer wurde sie dann irgendwann unruhig, wollte, dass es endlich losgeht. So waren die letzten Monate durchaus auch geprägt von Frust und Ungeduld. „Da ich mir dann aber noch den Arm verletzt habe, muss ich heute eigentlich sagen – so hat sich nun alles gefügt, denn jetzt bin ich auch wieder in der Lage, diesen Umzug zu stemmen“, resümmiert Gabi heute.

Ihr grünes Sofa hat den Praxistest übrigens nun auch bestanden: Es ist gemütlich, sieht toll aus und ermöglicht bei einer Tasse Tee einen guten Blick aufs bunte Treiben im Innenhof unserer Genossenschaft …

Willkommen zuhause!